„Für ein Schiff das seinen Hafen nicht kennt, weht kein Wind günstig.“  

Als Inselkind, aufgewachsen auf der Nordseeinsel Spiekeroog, war mir der Leuchtturm als standhaftes, sicheres und wegweisendes Symbol direkt vertraut. In den letzten 4 ½ Jahren, war der Leuchtturm e.V. in Schwerte mein Hafen. Im September 2013 durfte ich hier das Praxissemester für mein Studium der Sozialen Arbeit beginnen – nach dem vier monatigen Praktikum ließ mich die Arbeit mit den trauernden Kindern, Jugendlichen und Familien im Leuchtturm nicht los und ich beschloss weiterhin ehrenamtlich im Leuchtturm an Bord zu bleiben. Weitere zwei Jahre, nach meinem Bachelorabschluss, schien der Zufall es nicht anders zu wollen, im Leuchtturm wurde eine halbe Stelle frei, ich freute mich diese annehmen zu dürfen.I

m Leuchtturm e.V. durfte ich nicht nur wahnsinnig viel von meinen Kolleginnen, den hauptamtlichen, wie auch den ehrenamtlichen lernen, sondern vor allem auch von den vielen Kindern und Jugendlichen die ich während der letzten Jahre hier kennen lernen durfte. In den Einzelbegleitungen, so wie in den Gruppenangeboten habe ich so viele unterschiedliche Menschen kennen gelernt, jeder mit einer eigenen, individuellen schweren Lebensgeschichte und dann doch die Gemeinsamkeit, dass alle viel zu früh einen wichtigen Menschen durch den Tod verloren haben.

Zu spüren welch eine Solidarität unter den Kindern und Jugendlichen im Leuchtturm e.V. entstehen kann, auf welch kreative Art und Weise sie den Tod in ihr Leben integrieren können und trotz vieler intensiver, trauriger, stürmischer Momente der Trauer, doch die Lebensfreude wieder aufblühen kann, hat mir immer wieder den Mut gegeben in dieser, meiner Meinung nach höchst wichtigen und verantwortungsvollen Arbeit weiter zu machen.  

Schaue ich auf die letzten 4 ½ Jahre zurück erinnere ich mich mit einem Lächeln auf dem Gesicht an die vielen unterschiedlichen Highlights zusammen mit den Kids und Jugendlichen; zum Beispiel der Besuch in Hamburg beim Musical „König der Löwen“, der Ausflug in das Signal Iduna Stadion zum Halbfinalspiel des BVB gegen Real Madrid und im November das Kerzenziehen in der Wachsmanufaktur bei Waffelduft und Kerzenschein in uriger Atmosphäre.
Aber auch andere Veranstaltungen und Events bleiben in guter Erinnerung, sowie Fortbildungen am Meer in Schillig am Schafdeich, die Messe „Leben und Tod“ in Bremen, bei der ich als Zauberlehrling die Besucher mit Seelenzaubereien verzaubern durfte, sowie der erste Leuchtturmkongress „Regenbogen bunt“ bei dem ich viel mithelfen durfte.
Aber vor allem mochte ich die Begegnungen mit den Kindern und Jugendlichen in den kreativen Arbeitsprozessen, Ideen fließen und in den unterschiedlichsten Gestalten wachsen zu sehen. Und am Ende eines Begleitungsprozesses ein Lächeln bei den Kindern und Jugendlichen zu sehen, den Mut in den Augen in das veränderte Leben gestärkt zu starten. Für mich war aber auch immer wichtig zu spüren in einem starken Team gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten, im kreativen Austausch Ideen zu entwickeln und einander unterstützend zur Seite zu stehen.

„Für ein Schiff das seinen Hafen nicht kennt, weht kein Wind günstig.“ – Diesen Spruch durfte ich neulich in einem Coaching im Rahmen des Start Social Stipendiums, das der Leuchtturm e.V. gewonnen hat, lernen. Für mich ändert sich jetzt der Zielhafen, zu sehr zieht mich das Heimweh nach Hafengeruch und Meeresrauschen wieder in den Norden.

Dabei verlasse ich den Leuchtturm mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich bin sehr dankbar für die tollen Erfahrungen, Chancen, Möglichkeiten die ich hier erhalten habe und das Vertrauen, das mir entgegen gebracht wurde. Ich wünsch dem Leuchtturm-Team das es alle geplanten Ziele im sicheren Schiff als starke Crew erreicht, mit immer frischen Wind in den Segeln.